
Pflegewelle im Münsterland: Pflegebedarf steigt bis 2050 stark an
Im Münsterland ist bis zum Jahr 2050 ein besonders starker Anstieg der Pflegebedürftigen zu erwarten. Das zeigt eine aktuelle Modellrechnung des Statistischen Landesamts IT.NRW, veröffentlicht am 18. März 2026. Landesweit werden dann knapp 1,7 Millionen Menschen pflegebedürftig sein - das entspricht etwa jeder zehnten Person in Nordrhein-Westfalen. Gegenüber dem Jahr 2023, in dem rund 1,4 Millionen Pflegebedürftige ermittelt wurden, entspräche das einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent.
Babyboomer erreichen Pflegealter - Münsterland-Kreise mit höchsten Zuwächsen
Im kommenden Vierteljahrhundert erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer"-Generation ein Alter mit hohem Risiko, pflegebedürftig zu werden. Besonders stark betroffen sind dabei die Kreise im Münsterland: Die höchsten Zuwächse erwartet IT.NRW in den Kreisen Coesfeld (+46 Prozent) und Borken (+45 Prozent). Auch die Stadt Münster liegt mit einem prognostizierten Anstieg von 37 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt von 21 Prozent. Generell zeigt sich, dass die Zuwächse in den Kreisen stärker ausfallen als in den kreisfreien Städten: In 23 von 31 Kreisen ist ein Anstieg über dem Landesdurchschnitt zu erwarten, während dies nur auf 3 der 22 kreisfreien Städte zutrifft. Die geringsten Zuwächse verzeichnen die Ruhrgebietsstädte Hagen, Gelsenkirchen und Herne mit jeweils rund 7 Prozent.
Zuhause oder im Heim? Stationäre und ambulante Pflege stark betroffen
Vor allem in stationären Pflegeeinrichtungen dürfte die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner bis 2050 um rund ein Drittel auf etwa 226.000 anwachsen. Die Zahl der Menschen, die von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden, dürfte im gleichen Zeitraum um 28 Prozent zunehmen und dann bei rund 308.000 liegen. Der ausschließliche Bezug von Pflegegeld wird dabei - wie schon im Jahr 2023 - mit knapp 60 Prozent die häufigste Leistungsart bleiben. Für die Zeit nach 2050 erwarten die Statistikerinnen und Statistiker zunächst einen leichten Rückgang, gefolgt von einem Wiederanstieg auf rund 1,6 Millionen pflegebedürftige Menschen in NRW im Jahr 2070. Die Pflegemodellrechnung soll zeigen, welche Auswirkungen der demografische Wandel auf die zukünftige Pflegebedürftigkeit hat. Die Berechnungen basieren auf der Annahme konstanter Pflegequoten und dienen der Orientierung - sie sind nicht als präzise Prognose zu verstehen.