
Nach Gewinn-Einbruch: Was wird aus dem VW-Werk Osnabrück?
Die Zukunft des VW-Werks Osnabrück ist weiter offen: 2.300 Beschäftigte warten auf eine Entscheidung, während Volkswagen bis 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland streichen will. Warum der Standort wackelt – und was IG Metall fordert.
Veröffentlicht: Dienstag, 10.03.2026 13:53
Für die rund 2.300 Beschäftigten im Volkswagen-Werk Osnabrück bleibt die Zukunft weiter offen. Beim jüngsten Geschäftsbericht in Wolfsburg hat VW-Chef Oliver Blume angekündigt, dass der Konzern bis Ende 2026 entscheiden will, wie es für den Standort weitergeht. Derzeit arbeitet Volkswagen an mehreren Szenarien – auch gemeinsam mit Unternehmen aus der Rüstungsbranche. Als möglicher Partner gilt Rheinmetall, das laut Automobilwoche prüfen soll, ob in Osnabrück künftig schusssichere Fahrerhäuser für Militärlaster produziert werden könnten. Noch läuft in Osnabrück die Produktion des VW T-Roc Cabrios und einiger Porsche-Modelle – allerdings nur noch bis Mitte 2027. Danach ist offen, welches Projekt oder Fahrzeug folgen könnte.
IG Metall: „Volkswagen steht in der Verantwortung“
Die IG Metall Osnabrück reagiert mit deutlicher Kritik auf die Unsicherheit am Standort. Stephan Soldanski von der IG Metall in Osnabrück schreibt auf RADIO RST-Anfrage:
„Die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt. Das ist auch kein Wunder. Im Herbst 2027 läuft das letzte T-Roc-Cabrio vom Band und jede Woche wird über verschiedene Zukunftsprojekte für den Standort öffentlich spekuliert. Uns, IG Metall und Betriebsrat, geht es gemeinsam um ein tragfähiges und zukunftssicheres sowie langfristiges industrielles Gesamtkonzept für 2.300 Beschäftigte am Standort Osnabrück. Anders als andere beteiligen wir uns nicht öffentlich über einzelne mögliche Zwischenstände zu Projekten. Stand heute gibt es keinen Auftrag und somit keine Zukunftssicherung! Und auch das ganz deutlich: Volkswagen ist in der Verantwortung! Wir wollen Industrie-Standort bleiben und werden Volkswagen genau daran messen!“
VW kündigt massiven Stellenabbau an
Parallel dazu hat der Konzern eine neue Spar- und Personalstrategie vorgestellt. Laut Geschäftsbericht sollen bis 2030 rund 50.000 Stellen im Konzern wegfallen, davon etwa 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen. Zusätzliche 7.500 Jobs bei Audi und 3.900 bei Porsche sollen bis Ende des Jahrzehnts gestrichen werden – meist über Altersteilzeit und Abfindungen, ohne betriebsbedingte Kündigungen. Damit fällt der angekündigte Jobabbau größer aus als in früheren Planungen. Besonders betroffen sind Produktionsstandorte in Deutschland – und damit auch das Werk in Osnabrück.
Gewinneinbruch setzt Volkswagen unter Druck
Wirtschaftlich läuft es für den Autobauer derzeit schwierig. Der Konzerngewinn sank 2025 um rund 44 Prozent – von 12,4 auf 6,9 Milliarden Euro. Besonders belastend waren US-Zölle und der Strategiewechsel bei Porsche, der der Konzernbilanz rund 5 Milliarden Euro kostete.
Entscheidung über Osnabrück erst Ende 2026
Wie es mit dem VW-Werk Osnabrück weitergeht, bleibt eine der zentralen Zukunftsfragen. Ob neue Aufträge, Kooperationen mit der Rüstungsindustrie oder eine ganz andere Nutzung des Standorts – derzeit ist alles offen. Fest steht: Die Entscheidung soll bis Ende 2026 fallen. Für die Belegschaft beginnt damit eine nervenaufreibende Phase, in der sich entscheidet, ob Osnabrück auch künftig Teil des industriellen Rückgrats von Volkswagen bleibt.