
Neue Auflagen, doppelte Kosten
Neue Tierschutzverordnungen schreiben vor, dass Sauen künftig doppelt so viel Platz brauchen. Für viele Betriebe bedeutet das: Neubau oder Aufgabe. Simon Gerdes aus Altenberge erklärt, dass vor allem in Bestandsgebäuden kaum eine andere Möglichkeit bleibt, als komplett neu zu bauen. Dominik Stegemann aus Emsdetten hat die Zahlen durchgerechnet: 15 bis 20 Euro Mehrkosten pro Ferkel — bei einer Marge von weniger als 5 Euro. Ohne Förderung rechnet sich die Investition nicht. Minister Reiner beruhigte: Die Fördergelder im Rahmen des Bundesprogramms Tierhaltung sollen kommen, alles werde abfinanziert. Dennoch bleibt der Druck: Neue Ställe müssen bis 2028 stehen — für viele Betriebe ist das kaum zu schaffen.
Bürokratie als tägliche Last
Neben den Investitionskosten drückt die Bürokratie. Bis zu einem Viertel ihrer Arbeitszeit verbringen Landwirte heute am Schreibtisch statt bei den Tieren. Reiner, selbst 30 Jahre in der Politik, kennt das Problem — und hat eine Stabsstelle zum Bürokratieabbau eingerichtet. Konkrete Schritte: Antibiotikamonitoring nur noch einmal im Jahr, Drohnen im Weinbau wieder erlaubt, mehr Pflanzenschutzmittel sollen zugelassen werden. Reiner räumt aber ein: Sein Ministerium ist im Reparaturmodus — ein oder zwei Jahre werden nicht reichen.
Die Stimmung in Ochtrup war trotzdem eine andere als sonst. Gespräche auf Augenhöhe, sagen die Landwirte — so etwas habe es lange nicht mehr gegeben.